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Trauer

Trauer ist die psychische Reaktion auf den Tod oder Verlust eines nahe stehenden Menschen oder auf einen anderen persönlich schwerwiegenden Verlust.

Genau wie das Leben hat auch der Tod eines Menschen eine individuelle und eine gesellschaftliche Komponente. Zwar ist der Tod ein individuelles Erleiden, das oft in Isolation stattfindet, doch zugleich berührt er in seinen Auswirkungen die Mitglieder einer Familie und die Gemeinschaft, in der das Individuum gelebt hat.

Nach heutiger Auffassung hat sich die Ablehnung des Todes auf die Hinterbliebenen und die Art der Trauer ausgedehnt. In den heutigen, westlich-industriell geprägten Kulturen ist das Zeigen starker Gefühle in der Öffentlichkeit tabuisiert. Die Trauernden können zwar tiefen Schmerz empfinden, aber es ist zur Norm geworden, Trauer nicht öffentlich zu zeigen. Dies liegt hauptsächlich an einer Gesellschaft, die das Sterben und den Tod negiert. Allzu auffällige Schmerzbekundungen erwecken heute eher Abwehr als Anteilnahme. Und diejenigen, die noch nach Monaten oder gar Jahren trauern, werden zum pathologischen Fall. Die Gesellschaft erwartet von Trauernden, dass sie ihr Leid kontrollieren und unterdrücken. Forscher bezeichnen diese Situation auch als "Privatisierung" der Trauer. Diese Privatisierung der Trauer hängt einerseits mit der zunehmenden Auflösung des Familienverbundes zusammen, andererseits mit der Gesellschaft selber, die dem Hinterbliebenen keinen öffentlichen Trauerstatus zubilligt.